Reichenhain braucht eine neue Schule!
Zur Geschichte eines Denkmals der Nachkriegszeit 

Dr. Gerlinde Erxleben

Die Reichenhainer Schule ist in unserer Stadt ein besonderes Denkmal, weil sie das erste nach dem Zweiten Weltkrieg neu gebaute Schulhaus in Chemnitz ist. Sie wurde nötig, weil die alte Schule, ein Bau aus dem Jahr 1870, in der Bombernacht vom 5. März 1945, völlig zerstört worden war. Aber gleichzeitig ist der Schulneubau ein Symbol für eine besondere Zeitepoche und nicht zuletzt eng mit dem Wirken des Chemnitzer Ehrenbürgers Hans Riesner verbunden. Das neue Schulgebäude wurde in den Jahren 1949/50 errichtet und besteht ausschließlich aus Trümmerziegeln der zerstörten Innenstadt. 1, 2 Millionen davon wurden aus der Stadt in den südlichen Stadtteil gebracht, meistens noch mit groben Resten von Mörtel. Reichenhainer Trümmerfrauen waren es, welche die schwere, ausnahmslos freiwillige Arbeit des Ziegelputzens leisteten. Sie trugen zum Schutz vor Schmutz und Staub grobe Schürzen und abenteuerliche Kopfbedeckungen in Form phantastisch gebundener Turbane. Die größeren Schulkinder halfen mit Ziegel putzen. Die kleineren waren eifrig beim Ziegel-Stapeln dabei. Der Baustoffnot der damaligen Zeit geschuldet, wurden hier außerdem, wie schon bei den ersten Reparaturen von teilzerstörten Wohnungen in der Stadt, Ersatzbaustoffe verwendet, zum Beispiel Bindemittel aus Abfallstoffen der Industrie wie Braunkohlefilteraschen, Hochofenschlacke oder kohlesaurer Kalk. Die Bauleute mussten sich in dieser Zeit der Not etwas einfallen lassen. Aus Mangel an Rundeisen und Bauholz wurden alle Geschossdecken des Bauwerkes in Ziegelgewölbebau gearbeitet, so wie auch noch in den ersten Neubauwohnungen der Stadt angewendet.

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Architektonische Besonderheiten der Reichenhainer Schule schmücken auch das Bauwerk außen und machen es unverwechselbar. Die große Schultür wurde mit einem Renaissance-Portal aus dem 17. Jahrhundert umbaut - mit einem reichen Torschmuck, der aus den Trümmern des ehemaligen Bürgerhauses "Goldener Helm" in der Klosterstraße Nr. 19 geborgen wurde. Auf dem Schlussstein des Portals stehen die Jahreszahlen seiner Entstehung: 1600 - 1603. Darunter nunmehr eine dritte Jahreszahl: 1950. An der breiten Treppe zur Portalterasse befinden sich ein Bildhauerwerk - eine Gruppe musizierender Kinder. Sie wurden von dem Bildhauer Hans Dietrich gestaltet, der später mehrere bedeutende Denkmäler in der Stadt  wie das Mahnmal für die Opfer des Faschismus, für die Bombenopfer vom 5. März 1945 auf dem Städtischen Friedhof oder auch den zauberhaften kleinen Brunnen "Am Wasser spielende Kinder" in der Straße der Nationen geschaffen hat. "Fröhlich sein und singen", diese Motivation der vielleicht ersten baugebundenden Kunst in Chemnitz von Hans Dietrich wird bis heute in der Reichenhainer Grundschule mit Begeisterung und Freude gepflegt. Dass der verhältnismäßig kleine Stadtteil Reichenhain weit draußen im Süden von Chemnitz die erste Neubauschule nach dem Zweiten Weltkrieg bekam, ist einem im Ort sehr verehrten ehemaligen Lehrer zu verdanken. Es war der damalige Bürgermeister und Dezernent für Volksbildung und Kultur, Hans Riesner (1902 - 1976). Von 1926 bis zur Machtergreifung der Nazis war er in Reichenhain als Pädagoge tätig und durch seine modernen Lehrmethoden außerordentlich beliebt. 1933 wurde er von den Faschisten direkt aus dem Klassenzimmer, vor den Augen seiner Schüler verhaftet. Als er sich nach KZ-Haft, Stadt- und Berufsverbot 1945 als Aktivist der ersten Stunde dem demokratischen Wiederaufbau zur Verfügung stellte, so, das ist aus seinen Erinnerungen überliefert, kam er gleich zu Anfang hinaus nach Reichenhain, dorthin an den Ort seiner pädagogischen Erfolge, welcher jedoch nur noch als Trümmerhaufen bestand. Der Beginn des Schulunterrichts, den Sadttrat Hans Riesner für den 1. Oktober 1945 verfügte, war hier nur in unzulänglichen, zweckentfremdeten Räumlichkeiten möglich. Da beschloss er,  trotz des Wissens um den katastrophalen Zustand der vielen weiteren Chemnitzer Bildungseinrichtungen, Kraft seines Amtes: die erste Schule wird in Reichenhain gebaut! Baubeginn war im Mai 1945, mit harter Körperarbeit, ohne die heute zur Verfügung stehende schwere Bautechnik. Aber viele Helfer packten tatkräftig mit zu, so dass bereits im November des gleichen Jahres Hans Riesner zusammen mit dem Oberbürgermeister Max Müller und den fleißigen Mitwirkenden Reichenhainern Richtfest feiern konnte, und am 14. Oktober 1950 wurde die neue Reichenhainer Schule eingeweiht. Heute steht das dreiflügliche, für die damalige Zeit großzügig und modern gebaute und ausgestattete Haus unter Denkmalschutz. Schon viele Generationen von Reichenhainer Schulkindern sind von hier, nach fröhlichem und fleißigen Lernen, auf den Weg ins Leben hinaus gezogen.

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Eine kleine Reichenhainer Schulgeschichte

Im Ebersdorfer Schulmuseum kann man auf einer Schautafel zur Schulgeschichte nachlesen, dass die erste Reichenhainer Schule um 1558 gegründet wurde. Wenn das so ist, dann wäre sie nach der alten Chemnitzer Lateinschule, gegründet 1399, den beiden weltlichen Bürgerschulen für Mägdlein und Knaben aus dem Jahr 1540 und der Hilbersdorfer Schule mit Gründungsjahr 1541 eine der ältesten Schulen im Chemnitzer Gebiet. Wenn das so stimmt, dann geht diese Gründung möglicherweise auf die "Generalvisitation" des Kurfürsten August von 1556 zu den Kirchen- und Schulangelegenheiten zurück. Der Landesvater ließ dabei überall im Sachsenlande überprüfen, wie es um den "rechten Glauben" und die Verbreitung der lutherischen Lehre in Kirchen und in den Schulen bestellt war. Dabei könnte auch das Kirchspiel "Reichenhayn", das in der Meißner Bistumsmatrikel von 1346 die erste und bekannte Erwähnung des Ortes erfuhr, angewiesen worden sein, die Kindlein "recht und gläubig" zu lehren. Die Angabe zur ältesten Reichenhainer Schule findet sich auch im "Chemnitzer Lehrerbuch" von 1937. Allerdings besteht zur ältesten Schulgeschichte noch Forscherbedarf. Hier liegt noch vieles im Dunklen. Genaueres wissen wir erst aus den letzten 150 Jahren.

Wie ab Mitte des 19. Jahrhunderts der Ort Reichenhain am Rande der sich stark entwickelnden Industriestadt Chemnitz an Einwohnern wächst, so vergrößert sich natürlich auch die Schulkinderzahl. Im Jahr 1856 wird von 134 Reichenhainer Schülern und 16 Fabrikschulkindern gesprochen. Das wöchentliche Schulgeld für die öffentliche Schule beträgt 1 Taler (1 Mark) und für die Fabrikschule 50 Pfennig. 1869 werden 208 Schüler gezählt und 1915 sind es 392. Diese fast 400 Kinder werden von drei Lehrern und einem Hilfslehrer unterrichtet. Das Schulgeld beträgt jetzt 10 Pfennige pro Woche, ab dem 5. Kind und für jedes weitere wird das Schulgeld erlassen. Allerdings sind in dieser Zeit 10 Pfennige viel Geld für die ärmeren Familien. In der Nähe der Reichenhainer Christuskirche, auf dem Kirchenlehn, befand sich in alten Zeiten das kleine Unterrichtshaus, das ständig zu klein war. Ein respektableres Schulhaus zu errichten, gelingt der damals noch selbstständigen Gemeinde erst im Jahre 1870. Es enthält neben der Wohnung des Kantors und Kirchenschullehrers drei Schlafräume. Doch das reicht wiederum bei weitem nicht aus, auch nicht mit den Erweiterungsbauten aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, die aus mehreren Holzbaracken der Firma Christoph & Unmack-Niesky bestehen, welche hier in der Umgebung oft die Schulraumnöte lindern helfen sollten. 1918 kauft die Gemeindevertretung schließlich für eine neue und größere Schule ein eigenes Grundstück, 16,3 Hektar Land vom Bauern Forbrig. Sie bezahlt dafür aktenkundig 1467 Reichsmark. 1922 veranschlagt der Chemnitzer Architekten Prof. Claus für das Projekt einer modernen Schule die Kosten von 2,8 Millionen Reichsmark. Das ist jedoch zu viel für die Finanzkraft der Gemeinde Reichenhain, und so plädiert Max Schöne, Bürgermeister seit 1920, sich der Stadt Chemnitz anschließen und um städtische Unterstützung zu ersuchen. Trotz der Eingemeindung Reichenhains im Jahr 1929 tut sich nichts, das Projekt wird quasi auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben, bis der Zweite Weltkrieg diese Pläne gründlich zunichte machte. Das Aus für die alte Kirchenschule mitsamt den angebauten Barackenräumen kommt mit dem Inferno der Feuernacht am 5. März 1945, als große Teile durch anglo-amerikanische Bomber zerstört werden.

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Um bald nach dem Krieg mit dem Unterricht beginnen zu können, wird Raum in Provisorien gefunden. Der Winter 1945/56 ist bitterkalt, es fehlt an allem, besonders an Heizmaterial. So stellen auch Eltern, wenn möglich, für den Unterricht hier  und da beheizbare Zimmer zur Verfügung. Alle erhoffen dringend eine Lösung aus der Misere. Diese kommt, wie bereits erwähnt, aus dem damaligen Dezernat für Volksbildung der Stadt Chemnitz. Dank der Verbundenheit mit Reichenhain, mit Energie und Tatkraft setzt Stadtrat Hans Riesner durch, dass trotz Mangels und Not der Nachkriegsjahre sein einstiger Wirkungsort Reichenhain seine neue Schule bekommt. Am 14. Oktober 1959 war es dann so weit - mit einer festlichen Veranstaltung in der Turnhalle am Gemeindeamt wurde die neue Reichenhainer Schule eingeweiht. Der erste Schulleiter, Fritz Beckert schrieb dazu das Schulweihefestspiel unter dem Motto: "Wir suchen Freunde uns in aller Welt". Lehrerin Ursula Wölfel übte es mit den Kindern ein. Der Schulchor unter seinem Leiter Rolf Stöckel bot die musikalische Umrahmung, und die Volkstanzgruppe unter der Leitung von Lehrer Walter Großer zeigte ebenfalls ihr Können. Danach zogen die Schüler mit den Symbolen für Frieden und Völkerfreundschaft in ihre neue Schule ein. Es begann frohes Lernen in einem schönen, kinderfreundlichen Schulhaus. Diese Festveranstaltung gab der Schule einen Weihespruch auf den Weg. Er ist ein berührendes Dokument jener Zeit, wenn man bedenkt, dass der verheerende Krieg mit seinen schlimmen Folgen in den Familien noch sehr gegenwärtig war. Die Autorin des Beitrages gehörte damals zur ersten Klasse, die in das neue Schulhaus einzog. Aber gerade unter den damals sechs- und siebenjährigen und auch unter den älteren Schulkameraden waren sehr viele Väter, welche die mörderischen Schlachten des Zweiten Weltkrieges nicht überlebt hatten, und die nun oft mit mehreren Geschwistern allein von ihren Müttern durchgebracht werden mussten. Heute ist diese Entbehrung kaum noch vorstellbar.

Schulweihespruch im Oktober 1950

Wir wollen eine Schule weih´n,
eine Schule für den Frieden,
so muss es sein.
Und die alte Schule? -
So werdet ihr fragen.
Sie wurde von den amerikanischen Bombern zerschlagen.
Wisst ihr es noch?
Fünf Jahre ist es her.
Unser Dorf war ein einziges Flammenmeer.
Die neue Schule entstand.
Ist sie nicht schön?
Möchtet ihr nicht wieder zur Schule geh´n?
Nie wieder sollen Bomben sie zerstören!
Sie soll uns Kindern, uns allen gehören.
Wir wollen für den Frieden lernen und streben.
Wir wollen lernen für ein schöneres Leben.
Wir wollen, dass immer Frieden sei.
An euch wird es liegen.
Helft dabei!

Schulpolitik und Schulentwicklung in den Jahren des Anfangs

Es ist interessant nachzulesen, mit welchen Schwerpunkten sich die Pädagogen nach 1950 beschäftigten und welche pädagogische Richtlinien, gemäß den Aufgaben jener Zeit, verfolgt wurden. Ein Blick in die "Pädagogischen Protokolle" über die monatlichen Arbeitsberatungen der Lehrer, dem sogenannten "Pädagogischen Rat", gibt folgende ausgewählte Themen preis:

  • Unterstützung für das Nationale Aufbauwerk - jeder Schüler pflanzt einen Baum
  • Religionsunterricht an der Schule - er darf nicht den Schulbetrieb beeinträchtigen, und es darf nicht dafür geworben werden
  • Diskussion unter den Lehrern - "Der Weg zur friedlichen Lösung der deutschen Frage"
  • Vorbereitung auf eine TBC-Schutzimpfung an der Schule
  • Maßnahmen zur Förderung von Arbeiter- und Bauernkindern
  • Bessere Anleitung für ehrenamtliche Pionierleiter
  • Berufserwerbung für metall- und textilverarbeitende Industrie, für Bau - und landwirtschaftliche Berufe
  • Einrichtung von Mittelschulen - bis 1960 sollen 40% der Schüler eine 10-Klassenschulbildung erhalten
  • Teilnahme der Schüler an der Begrüßung der Friedensfahrer im Ernst-Thälmann-Stadion
  • Inhalt der Elternabende der Genossen Eltern zur Vorbereitung der Jugendweihe
  • Vom Wert des polytechnischen Unterrichts zur Einstellung der Schüler zur Arbeit

Hier soll  anschließend noch auf wichtige Entwicklungen in der Reichenhainer Bildungsstätte hingewiesen werden, wie sie sich eigentlich überall in der damaligen DDR für die Erziehung und Bildung der jungen Generation ausprägte. Alle Bemühungen waren darauf gerichtet, die Kinder mit einer guten Allgemeinbildung auszurüsten, sie der sozialistischen Gesellschaftsordnung zu verpflichten, damit sie später tatkräftig an der Ausgestaltung mitarbeiten können.

1953 wird der Patenschaftvertrag mit dem VEB Rohr- und Kalkwalzwerk geschlossen. Seit dem Volksentscheid 1946 in Land Sachsen war die ehemalige Max Haas Rohrwerke AG der einzige große volkseigene Betrieb am Ort. Hier waren auch viele Väter und Mütter der Reichenhainer Schulkinder beschäftigt. Von Anfang an unterstützte das Werk, das in seiner DDR-Zeit ein bedeutender Zweigbetrieb des Rohrkombinats Riesa war, die Schule mit den unterschiedlichsten materiellen Mitteln. Dazu gehörten unter anderem zunächst der Werkuntericht, später die polytechnische Ausbildung. Der Patenbetrieb steuerte auch so manchen Obolus für die Kultur bei. Heute noch schwärmen ganze Schülergenerationen von den Faschingsfeiern und anderen Kulturfesten im damaligen betriebseigenen Kulturhaus "Heinrich Heine", von Chorkonzerten, Tanzveranstaltungen, Jugendweihe- und anderen Klassen- und Familienfeiern.

1954 erhält die Pionierfreundschaft den Namen "Paul Robeson". Für die Kinder der Reichenhainer Schule war der schwarze Sänger "des anderen Amerika" Vorbild mit seiner wunderbaren Gesangskunst und mit seinem Mut, als er damals, in den düsteren Jahren, als die farbige USA-Bevölkerung noch als "Menschen zweiter Klasse" galten, gegen die menschenverachtenden Vorurteile auftrat. Das Leben in der Pionierfreundschaft bot neben Erziehung zur Achtung aller friedliebenden Völker und Freundschaft mit Kindern in aller Welt natürlich auch eine interessante Freizeitgestaltung. Es gab hier unterschiedlichste Interessensgruppen, künstlerisch und technisch ausgerüstet. Im Sommer fanden hier die Ferienspiele statt, eine Ganztagsbetreuung aller Kinder, die in den Ferien nicht verreisen konnten. Aber es wurde auch Praktisches zum Aufbau des Landes geleistet: die Pioniere halfen zum Beispiel mit den Erlösen aus Altstoffsammlungen mit, die Mole des Rostocker Hafens auszubauen oder sie begaben sich auf die Jagd gegen den "Wattfraß", eine Aktion der Kinder zum Energiesparen und viele, viele andere interessante und nützliche "Abenteuer"

1959 - Beginn des polytechnischen Unterrichts. Schon in den Auffassungen der sächsischen Reformpädagogik, wie sie in den 20er und 30er Jahren auch der Reichenhainer Lehrer Hans Riesner vertreten und hier praktiziert hat, galt es, die Kinder vor allem "auf das Leben" vorzubereiten, sie in verschiedenen Formen mit den Anforderungen des künftigen Erwachsenenlebens, mit dem hohen Anspruch an die künftige Berufstätigkeit vertraut zu machen. Geschah dieses zunächst durch den Werkunterricht an den Schulen, so wurde jetzt dieses Prinzip überall und vor allem vor Ort in der betrieblichen Produktion eingeführt.

1962 wird die Reichenhainer Schule "Zehnklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschule". Ausgehend von den Anforderungen der modernen Zeit, die allmählich immer mehr von den veränderten Auswirkungen in Wissenschaft und Technik entscheidend geprägt wurden, sollte das Bildungssystem diesen Erfordernissen Rechnung tragen.

Am 22. April 1977, am 75. Geburtstag von Hans Riesner, erhält die Reichenhainer Schule den Namen "Johann-Riesner-Oberschule". Dazu wäre zu bemerken, dass Hans Riesner zu diesem Tag bereits fast ein Jahr verstorben war. Überdies wurde berichtet, dass er diese Namengebung zu Lebzeiten stets bescheiden ablehnte, mit der Begründung, er wolle für sich keinen "Personenkult". Für die meisten Reichenhainer war diese Namengebung jedoch Herzenssache. Vor allem die älteren halten die Erinnerung an ihn wach und übertragen die Veehrung für den unvergesslichen, einstigen Lehrer an die jüngeren Genrationen weiter.

1991 - Rückbenennung der Reichenhainer Schule. Trotz der unübersehbaren Verdienste des ehemaligen Lehrers Hans Riesner, der sich stets uneigennützig und engagiert für allseitige Volksbildung im besten Sinne des Wortes und für eine moderne, demokratische Schulpolitik einsetztem wurde verfügt, dass sich die Bildungseinrichtung künftig schlicht und einfach "Grundschule Reichenhain" zu nennen habe.

Modernes Schulbild und Verpflichtung

Die Grundschule Reichenhain gehört zu den auserlesenen Schulen in der Stadt Chemnitz, die sich um ihren Bestand und Zukunft keine Sorge zu machen braucht, denn seit 1990 hat sich die Einwohnerzahl im Ort fast verdoppelt. Reichenhain steht ganz vorn bei den Stadtteilen, welche den höchsten Zuwachs an neuen Bewohnern verzeichnen. Vor allem junge Familien mit vielen Kindern haben sich in den Neubaustandorten "Reichenhainer Mühlberg", "Am Kreysighof" oder "Orchideengarten" angesiedelt. Mittlerweile sind nun schon etliche junge Reichenhainer Neubürger der Grundschule entwachsen, aber die kleineren Geschwister folgen. Sie erhalten hier solides Anfangswissen, werden angeregt, ihre Fähigkeiten auszuprobieren. Sie erkunden in moderner, zeitgemäßer Projektarbeit ihre Umwelt und üben sich in demokratischen Formen des Zusammenlebens. Der ehemalige Reichenhainer Lehrer Hans Riesner ist dabei immer noch Vorbild. In der schönen Grünanlage im Innenhof des Dreiflügelbaus der Schule steht seine Porträtbüste, die von den Schülern und Lehrern in Ehren gehalten wird. Sie sind stolz darauf, dass sie hier im Geiste des Chemnitzer Ehrenbürgers lernen, fröhlich sein und von Herzen singen können.

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